ES TUT MIR LEID, ABER ICH BIN NOCH AM ARBEITEN!

2021

Kunstverein Ahlen, 28. August 2021
Performance, Video, Dauer: 1.04 Stunden

In der Innenstadt von Ahlen in der Nähe des Kirchplatzes stehe ich vor einer durchsichtigen Wand aus Linoleum und schreibe darauf mit einem Kreidemarker was ich in den letzten 24 Stunden gesehen, gelesen und gehört habe. Immer wieder überdenke und verändere ich das Gesagte, Gelesene und Gehörte. Wenn ich fertig bin, zerschneide ich die beschriebene  Wand. Ich ordne die zerschnittenen Einzelteile zu einem neuen Bild an und gehe weg.

ICH HABE DEN RASEN GEMÄHT!

2021

Gütersloh KV IN THE BOX, Kunstverein Kreis Gütersloh, 24. Juli 2021 Performance, Video, Dauer: 1.35 Stunden

Ich stehe in einem Glaskasten und schreibe mit einem Kreidemarker auf dessen Platten – was ich in den letzten 24 Stunden gesehen, gelesen und gehört habe. Immer wieder überdenke und verändere ich das Gesagte, Gelesene und Gehörte. Wenn ich fertig bin, entferne ich das Geschriebene und gehe weg.

Fotos: Philip Sawicki

nIchts Ist nIcht nIchts

2020

Münster, 05. Juli bis 01. August
Performance, Video, Dauer: variabel

Das habe ich getan:

Ich habe den Instagram Account von deuxpiece übernommen. Jeden Abend vom 5. Juli bis zum 1. August 2020 habe ich ein Video mit scheinbar bedeutungslosen Handlungen gepostet. Das Video wurde während eines unbestimmten Momentes innerhalb desselben Tages gefilmt. Manchmal habe ich die Videos selbst aufgenommen und manchmal nicht.

Tag 1
Ich habe mir einen Big Vegan TS bestellt. Mich an einen Tisch gesetzt, den Burger ausgepackt und dann als Kissen benutzt.
Tag 2
Ich habe die Linse der Kamera meines iPhones als Auge benutzt und in den Himmel geschaut.
Tag 3
Ich habe ich mir einen Cappuccino bestellt und mit einem Strohhalm Blasen in das Getränk gepustet. Die Reste des Cappuccinos habe ich von dem Unter- teller mit dem Strohhalm getrunken.
Tag 4
Ich bin auf der Couch eingeschlafen.
Tag 5
Ich schreibe etwas auf.
Tag 6
Ich versuche zu riechen wie mein Nasenloch riecht.
Tag 7
Ich rolle mich in meinen Teppich ein und versuche aufzustehen.
Tag 8
Ich stecke mir Wattestäbchen in die Ohren, die Nase und den Mund bis nichts mehr hineinpasst.
Tag 9
Ich spiesse gesammelte Zigarettenstum- mel auf Nadeln auf.
Tag 10
Ich stecke meine ganze rechte Faust in meinen Mund.
Tag 11
Ich filme mich von unten in der Hocke sitzend.
Tag 12
Ich laufe aus meiner Wohnung auf die Strasse. Ich schaue nach links und rechts ob jemand kommt und klingele dann lange an meiner Klingel und laufe schnell weg.
Tag 13
Ich zupfe und knabbere an meiner Nagelhaut.
Tag 14
Ich tippe mit meiner Nase auf meiner Tastatur herum.
Tag 15
Ich sitze im Biergarten. Ich desinfiziere mir meine Hände und ziehe dann mit Hilfe meiner Finger eine Grimasse. Danach desinfiziere ich mir die Hände erneut.
Tag 16
Ich tanze mit einer Weinranke.
Tag 17
Ich spiele mit einem Stück Bast das von einer Lampe absteht. Ich zupfe es von dem Bast ab und benutze es als Zahn- stocher, danach spucke ich es in das Zimmer.
Tag 18
Ich liege auf dem Teppich, schaue zur Decke und mache Blasen mit meiner Spucke.
Tag 19
Ich esse Kirschen und bespucke wäh– rend eines Gespräches per ZOOM mein MacBook bis die Kirschen alle sind. Danach schiebe ich die Reste von der Tastatur auf den Boden.
Tag 20
Ich liege auf dem Teppich und schneide mir die Nägel. Danach sammele ich die abgeschnittenen Nägel einzeln auf.
Tag 21
Ich fahre mit dem Auto durch die Waschanlage und schaue dabei in mein iPhone.
Tag 22
Ich balanciere auf einem spitz zulaufen– den Poller und winkle mein Bein dabei an bis ich herunterfalle.
Tag 23
Ich sitze auf einer Bank und starre auf meine Hände während ich mit den Daumen rolle.
Tag 24
Ich schaue in die Kamera meines iPhones und beobachte durch die Wie- dergabe der Aufnahme einen Reiher.
Tag 25
Ich turne in einer kleinen Schlafkabine und versuche mehrere Rollen vorwärts und rückwärts.
Tag 26
Ich biege eine übergroße Büroklammer auseinander und benutze beide Enden um meine Ohren damit sauber zu machen.
Tag 27
Ich hüpfe einen Weg am Kanal entlang und nach einiger Zeit wieder den selben Weg zurück.
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Wie lange ist Gestern?

2019

Münster, 06. Juli 2019

Performance, Video, Dauer: 7.35 h

Ich zeichne kleine horizontale Linien an die Wand des Raumes. Eine Linie für jeden Tag, an dem ich bisher gelebt habe. Die kleinen Linien werden schließlich zu einer großen Linie.

Stephanie Sczepanek
im KELLER
Aegidiistraße 46/47
48143 Münster

Info:
www.im-keller.info

Turner

2018

Münster, 24. November 2018
Performance, Video, 2, 38 Std.,

Ich stehe in einem leeren Ausstellungsraum und sage im Wechsel ICH WILL GELD; ICH BRAUCHE GELD. Nach einiger Zeit verselbstständigt sich die Aussprache der gesprochenen Worte. Ich nenne sie solange bis ich nicht mehr kann.

TANGO ARGENTINO

2018

2018, Monbijoupark, Berlin
Performance, 23. Mai 2018, Dauer: 5,34 Stunden

Ich tanze auf der Tanzfläche durchgehend Tango Argentina. Alleine oder mit jemanden zusammen.

DUISBURG

Lehmbruck Museum

2015

Lehmbruck Museum Duisburg, Friedrich-Wilhelm-Strasse 40,
03. Oktober 2015
Performance, video, Dauer: 47 min

©Foto: Till-Julian Huss

Ich zeichne eine kontinuierliche Linie mit meinem Zeigefinger über Böden, Treppen, Menschen, Gegenstände.

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Videodokumentation, 18´26 min.

RECKLINGHAUSEN

Kunsthalle

2015

Kunsthalle, Recklinghausen, 2015
Große-Perdekamp-Str. 25-27
Performance, 06. Dezember, Dauer 213 min.

Ich zeichne Linien mit meinem Zeigefinger über vorgegebene Linien von Handinnenflächen, Fingern und Handgelenken. Ich finde Bilder in den Händen von Menschen, die sie nie vermuten würden.

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SPEAKER´S CORNER

Münster

2014

Münster, 2014
Wolbeckerstraße, Abschnitt Kanalbrücke
Performance, Video, Dauer: 6.52 min

Ich grabe ein Loch, stecke meinen Kopf hinein und schütte das Loch mit dem Sand wieder zu, klopfe ihn mit meinen Händen fest und harre aus.

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SPEAKER´S CORNER

Münster

2014

Münster, 2014
Windhorststraße, Abschnitt Speaker’s Corner I
Performance, Video, Dauer: 1.58 min

Ich gehe mit großen Schritten durch ein Becken in denen Enten schwimmen. Ich lege am anderen Ende des Beckens meine Sachen ab, gehe zurück und nehme abwechselnd meine Hände und Füße in den Mund und schaue wie weit sie hineinpassen. Dabei tauche ich immer wieder unter. Wenn ich fertig bin, gehe ich zum Beckenrand steige hinaus, nehme meine Sachen und gehe weg.

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SPEAKER´S CORNER

Münster

2014

Münster, 2014
Windhorststraße, Abschnitt Speaker’s Corner II
Performance, Video, Dauer: 1.55 min

Ich krümme meine Körperteile, versuche sie zu verschränken und zu verknoten, um dann wie ein Ball über den Boden zu rollen. Ich versuche es immer wieder. Unterbreche den Vorgang um auch meine Finger und Zehen miteinander zu verharken. Und rolle erneut über den Boden.

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SPEAKER´S CORNER

Münster

2014

Münster, 2014
Windhorststraße, Abschnitt Speaker’s Corner IV
Performance, Video, Dauer: 2.04 min

Ich laufe von der Strasse zum Spielplatz und fotografiere mich selbst, immer wieder, dabei Grimassen ziehend. Ich ziehe mir die Schuhe aus, lege meine Sachen ab und fange an auf dem Trampolin, das sich am Spielplatz befindet auf und ab zu hüpfen, dabei weiter Grimassen zu ziehen und Selfies von mir zu machen, auch mit den Füßen. Ich fange an zu rufen Foto…Foootttooo…Fooootttttttooooooo. Ich höre auf zu hüpfen ziehe mich wieder an, ohne den Vorgang des Fotografierens zu unterbrechen und gehe weg.

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SPEAKER´S CORNER

Münster

2014

Münster, 2014
Windhorststraße, Abschnitt Speaker’s Corner IX
Performance, Video, Dauer: 2.57 min

Sie sollte ich sein. Hinrollen, so viele Zigaretten wie möglich rauchen und vorbeieilende Menschen nach Feuer fragen und sich die Zigaretten anzünden lassen. Wenn Sie fertig ist, soll sie sich zur Straße schieben lassen.

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Performance

heute, morgen, gestern

2020

Performance am 22. Februar als Teil von FIEL FU KUNFT von René Haustein
Dauer: 2.01 h

Galerie Januar, Bochum-Langendreer

„Ich liege auf dem Boden und rede über Probleme. Kleine, große, alte, neue. Ich starre dabei nur zur Decke, was denkst Du?“

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Ich werDe mIt Ihrem gelD gut umgehen

2018

seit 2016 fortlaufende Performance unterschiedlicher Dauer,

Zuletzt unangekündigt an zufälligen Orten (Ausstellungsräume in Off-Spaces, Kunstvereine, Galerien und Museen): Bode-Museum, Berlin am 25. Mai 2018.

Ich gehe mit einem einfachen Pappschild durch Räume, Gänge und Treppenhäuser. Auf dem Pappschild steht: Ich werde mit Ihrem Geld GUT umgehen. Ich sammle Geld und entscheide später, was ich damit mache.

DANKE, DASS DU MIT MIR TEILST

2018

2018, Köln
Performance, 43 min.

Ich sitze draussen an einem Tisch in einem Café. Aus mehreren Strohhalmen bastle ich einen langen Strohhalm. Ich versuche mit dem langen Strohhalm unbemerkt aus den Getränken der Nachbartische zu trinken.

ICH BEMERKE DICH UND DU BEMERKST MICH, VIELLEICHT

2018

2018, Münster
Performance, 107 min.

Ich laufe durch den Supermarkt und nehme die Pfandflaschen aus dem Einkaufswagen. Mit den Pfandflaschen gehe ich zum Rückgabeautomaten und tausche sie um. Ich bringe den Pfandzettel zurück zu dem Einkaufswagen aus dem ich die Flaschen entnommen habe. Manche bemerken mich und andere nicht.

HAPPY HOUR

2015

Kunstakademie Münster, 2015
VART CENTER, Shanghai
WELTKUNSTZIMMER, Düsseldorf
Performance, Dauer: mehrere Stunden

Ich sitze während der gesamten Ausstellungsdauer auf meinem Stuhl und warte auf sie. Sie sitzen im genau richtigen Abstand vor mir und bekommen von mir unvergessliche Dinge aus meinem Leben berichtet. Ich rede ohne Unterbrechung in einem schnellen Takt.

münster

DomInIkanerkIrche

Münster, Dominikanerkirche, Innenraum,
2016 Performance,
Dauer: 3.5 h

Ich setze einen Fuß vor den anderen und vermesse den Kirchenraum. Ich fange bei den Kirchenwänden an. Wenn ich eine Reihe beendet habe, stelle ich den linken Fuß neben den rechten Fuß und beginne von vorn und höre erst auf, wenn ich die gesamte erreichbare Wand- und Bodenfläche der Kirche vermessen habe. Ich verrücke Stühle, klettere über Hindernisse und Menschen.

2016

telephone book

seit 2013, fortlaufende Performance
unterschiedliche Dauer
Material: Telefonbuch (Münster/Warendorf)
Iphone

Ich rufe, sämtliche im Telefonbuch eingetragenen Telefonnummern einmal an. Wenn ich die Person erreiche, sage ich ihr, dass sie aus meinem Telefonbuch gestrichen wird. Die Nummern die besetzt sind oder unbeantwortet, bleiben als un- gestrichene Lücken zurück. Die Arbeit endet mit dem letzten Namen im Telefonbuch. Das kann Wochen, Monate oder auch Jahre dauern.

2013

Italien, Venedig, Calle Largo XXII Marzo

2014, Münster
Performance, 17 min.

Ich laufe über den Platz mitten durch eine Gruppe von Menschen. Ich fange laut an zu singen. Ich kann nicht singen. Das was ich singe sind Fetzen von Liedern die nicht zusammen gehören. Die Menschen aus der Gruppe schauem mich an und einige singen laut mit. Wir laufen zusammen über den Platz. Am Ende des Platzes verlasse ich die Gruppe und laufe weiter.

HEMMUNGEN ÜBERWINDEN UND SICH ETWAS TRAUEN

2014-2016, Osnabrück, Münster, Braunschweig und Köln
Performance, unterschiedliche Dauer

Manchmal stehe ich an einer Straßenecke – vielleicht in Rulle – und merke, wie meine Fingerspitzen zu kribbeln anfangen. Das Gefühl breitet sich von meinen Fingern ausgehend langsam aus und erfasst meinen ganzen Körper. Ein kleiner Impuls erzeugt dann eine einfache Handlung. Das kann ein Kind sein, das an seinem Spielzeug knabbert und gedankenverloren seine Spucke auf seiner Kleidung verteilt, oder der Zucker, der leise auf den runden Tisch vor der Imbissbude rieselt.

Plötzlich ist die Handlung da, und ich merke erst später, dass meine Hände das Zuckergefäß auf dem Tisch ausschütten und ich – genauso wie das Kind sein angesabbertes Spielzeug immer wieder auf den Rahmen des Kinderwagens schlägt, um es dann wieder in den Mund zu nehmen – meine Zunge ausstrecke und den ausgeschütteten Zucker nach und nach auflecke und meine Zunge den Tisch immer und immer wieder berührt. Ohne dass ich darüber nachzudenke, was da gerade passiert. Es ist egal, wer den Tisch vorher angefasst hat oder was sonst mit ihm passiert ist. Das alles nehme ich in diesem Augenblick nicht wahr. Ich spüre nur den Drang, diese Handlung sofort auszuführen. Danach ist es, als ob nichts geschehen wäre, und es ist egal, was die anderen Menschen denken.

Es kostet Überwindung und Mut, sich zu trauen und Dinge auszuprobieren, egal wie klein oder groß sie sind. Das können einfache Dinge sein, wie eine offene Kommunikation mit Fremden oder auch der Sprung von einem 3-Meter-Brett. Ich möchte mit Ihnen in einer persönlichen Auseinandersetzung über Gespräche und über darin resultierenden Maßnahmen das Überwinden üben.

30. MAI, 14:59 UHR BIS 16:41, 5,9 KM, MÜNSTER, 56 PERSONEN

2014, Münster
Performance, 102 min.

Ich gehe zu Fuß über die Studtstraße, Finkenstraße, Heerdestraße, Kleimannstraße, Promenade, Schlossplatz, Weselerstraße, Blumenstraße, Weselerstraße, Moltkestraße, Marks-Haindorf-Stiege, Weselerstraße, Wilhelmstraße, Orleans-Ring und den Horstmarer Landweg, in Münster. Dabei stelle ich mich vor die Menschen, denen ich begegne, schaue ihnen in die Augen, berühre Einzelne und sage ihnen, was ich bei der Begegnung mit ihnen empfinde.

ENGLAND, SCARBOROUGH, NORTH BAY CLEVELAND WAY

2013, Scarborough
Performance, 2´35 min.

Ich fange an eine Sandburg zu bauen und schaue die ganze Zeit immer wieder zu einer Familie, die sich in der Nähe befindet und auch eine Sandburg baut. Es baut sich eine Konkurrenzsituation auf, die lediglich durch meine Blicke gesteuert wird. Die Familie fängt an ihre Burg schneller zu bauen. Am Ende stehe ich auf und gehe weg. Die Kinder kommen angelaufen und zertrampeln meine Burg.

CRANGE-WANNE, LUTHERKIRCHE, EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE, KONFIRMATIONS-GOTTESDIENST

2013, Wanne-Eickel
Performance, 21 April 2013, 123 min.

Ich sitze auf der Bank in der Kirche und schaue auf Menschen, die den Gottesdienst mit den Geräuschen durch den Gebrauch von Handys und Fotoapperaten stören. Immer wenn eins dieser Geräusche hörbar wird, verstärke ich akkustisch ein anderes Geräusch die von Menschen in meiner Umgebung erzeugt werden und ahme es nach. Das kann ein Füßescharren, ein Niesen oder Husten sein, alles was hörbar ist.

Mixed media

fahnen reInszenIert

2018

1988 -1992 / FORTLAUFEND
Zeichnungen

Ich hörte das Hupen und Schreien als ich an meinem kleinen weißen Kindertisch saß mit dem Wachsmalstift in der Hand. Ich lief zum Fenster und sah hinaus. Der Stift in meiner Hand wurde warm, den als ich auf meine Hand starrte war sie ganz gelb. Unten auf der Straße fuhren viele Autos hupend hintereinander her. Einige lehnten sich aus den Fenstern und schwenkten Fahnen. Ich kannte diese Fahne. Sie zeigte die Farben Schwarz, Rot und Gelb. Ich hatte sie gemalt. Bald waren die Schreie und hupenden Autos nicht mehr zu hören und die Straße war wieder leer. Ich ging zu meinem Tisch und setzte mich wieder auf den Stuhl. Ich sah auf mein Blatt Papier und dann zu den bröckelnden Wachsmalstift in mein- er Hand und malte weiter. In die Mitte des weißen Papieres malte ich mit gelb einen Fleck der aussah wie eine Hand deren ausgestreckter Zeigefinger nach rechts oben zeigt. Auf dem Papier gab es schon zwei grüne Zweige direkt darunter. Ich malte gerade die Flagge Zyperns

Es war ein Sonntag und der 8. Juli 1990. Deutschland ist an diesem Abend Fußballweltmeister geworden. Das ist meine erste bewusste Erinnerung aus meiner Kindheit. Meine Schwester sagte mir ich habe wohl 1988 angefangen die Flaggen aus ihrem Lexikon abzumalen. Ganz genau kann sie sich aber nicht mehr erinnern. Bis 1992 malte ich alle Flaggen aus diesem Lexikon ab. 203 Flaggen: unabhängige Länder, abhängige Gebiete, Länder die welche sein wollten, aber keine waren und Flaggen von Ländern die es heute nicht mehr gibt. Genauso wie meine gemalten Flaggen. Sie verschwanden 2003 als meine Eltern in eine andere Wohnung gezogen sind. Seit dem 28. April 2018 male ich sie neu. Ich male sie wieder von dem alten Lexikon meiner Schwester ab mit Wachsmalstiften auf weißem DIN A4 Papier. Komm mich besuchen und Du darfst dir eine aussuchen.

Du kennst mIch nIcht unD Ich kenne DIch vIelleIcht nIcht, aber ...

2015

seit 2015, fortlaufend
Text auf Postkarte, 10.5 x 14.8 cm (Auswahl: 7 von 234)

Ich schreibe Menschen, die ich nicht kenne, eine Postkarte mit einer Erzählung aus meinem Leben.

„Wenn meine Oma mit erstickter Stimme von meinem Onkel erzählte, nannte sie immer Puc- ki, den Dackel meines Onkels. Er wäre auch ertrunken, zusammen mit Helmut. Das stimmt aber nicht, der Dackel ist weggelaufen.“

marlIes (auswahl)

2012-2013

Material: Fotos, Texte, Edding

Ich fand in einem Schrank die Polaroids meiner Mutter. Mein Vater versteckte sie. Meine Mutter wollte keine mehr sehen. Ich sortierte sie und führte Gespräche mit ihr über die Polaroids und ihr Leben. Danach schrieb sie unter die Fotos die Erzählungen nieder. Sie hat kaum Kraft zu schreiben.

Kollaboration

BÜHNENARBEIT 11 12 13 et al

2021

Künstlerische Leitung/Konzept/Co-Autor: Manuel Talarico 
Co-Autorin: Franziska Jürgens
Mentorin/Co-Autorin: Bernice Lysania Ekoula Akouala & Stephanie Sczepanek 
Mentorin/Choreografie: Eng Kai Er

(…) mein Onkel hatte auch einen Klon, seinen Zwilling, der kurz nach der Geburt verstarb. Ebenso starb sein älterer Bruder, als sie noch Kinder waren, 1962. Er war neun, der Zwilling, der überlebte, vier, Mama zehn, meine Tante dreizehn. Der große Bruder erzählte dem kleinen von den Sternen, wenn sie in Sommernächten in den Maisfeldern lagen. Der Kleine wurde Ingenieur und gab die Faszination an Flugzeugen und Raketen an seinen Patensohn weiter. Dieser, mein ältester Bruder wiederum hat mich mit dem Science-Fiction- und Weltraum- Faible angesteckt…und das alles geht möglicherweise auf den Onkel zurück, der neunjährig starb? (…)

11 12 13 et al arbeitet mit vielperspektivischem Erzählen, multidirektionaler Geschichte und Biografie. Wie erzählen wir die eigene Biografie, was sind Deine Geschichten, was sollen unsere Geschichten sein?

Dieses Recherche- und Schreibprojekt startete aus einer gewissen Ratlosigkeit heraus, ob die künstlerische Praxis der Aneignung und des Remix möglicherweise einer verinnerlichten Konsumhaltung entspringt, die – unbewusst vielleicht – nicht einmal Halt macht vor Schicksalen, Biografien und Kulturpraktiken anderer? Was macht das mit den Konsumenten, mit den Konsumierten?

Du musst um nIchts kämpfen was freIwIllIg kommt bleIbt auch unD alles anDere geht sowIeso

(zusammen mIt Laura Mareen Lagemann)

2018

Münster, 2.-4. Februar 2018
Performance, Dauer: 3 Tage, 20-30 min

Wir sitzen in einem Auto. Die Rückbank ist leer und die Beifahrertür ist geöffnet. Wir warten bis jemand in das Auto einsteigt und die Tür schliesst. Eine von uns fährt los und die andere dreht sich um und schaut die Person für längere Zeit an ohne zu sprechen. Sie klettert zwischen den Vordersitzen auf die Rückbank und setzt sich nah an die Autotür, mit größtmöglichen Abstand zu der Person, die neben ihr sitzt. Sie rückt näher zur Person, bis sie nicht mehr weiter rücken kann. Jeder entscheidet für sich wie nah man einander kommt. Nach kurzer Zeit stoppt das Auto und fährt rückwärts. Je weiter das Auto rückwärts fährt, desto mehr entfernt man sich von der Person. Während der Fahrt wird die Tür geöffnet und man steigt aus und geht weg.

wIr lIeben es neben Der person zu schlafen DIe wIr lIeben

2017

(zusammen mit Laura Mareen Lagemann)

OPEN HOUSE SPEICHER II / ATELIER 1.7
Münster, 2017
zwei Performances, eine mit dem Material: Spiegelglas und sieben Stäben aus Metall und Holz, in chronologischer Reihenfolge

Maße:
Stäbe: 2-7 m
Spiegelglas: 1 x 1 m

Dauer: 3 Tage, 20-30 min

Ich ziehe sieben unterschiedliche Stangen von der einen Seite des Raumes, durch meine Kleindung, an meiner Haut entlang, zur anderen Seite des Raumes, dem Betrachter entgegen.

Das beste mIttel sIch selbst kennenzulernen, Ist Der versuch, anDere zu verstehen

2017

(zusammen mit Laura Mareen Lagemann)

SPEICHER II, Münster, 2017

Ich zeichne eine Linie mit meinem Auge, das andere bleibt geschlossen. Ich knie auf dem Boden und halte eine Glasscheibe vor meinen Körper. Ich schaue hindurch und umrande mit meinem Auge Menschen die in den Raum eintreten.

wer nIcht fragt wIrD nIcht gesehen

2016

(zusammen mit Laura Mareen Lagemann)

EMSCHERKUNST Dortmund,
2016 Performance, Dauer: 28 Tage

In jeder dritten Woche während der vier Ausstellungsmonate der Emscherkunst waren wir immer gemeinsam 24/7 im Unionviertel in Dortmund unterwegs (Termine: 20.–26. Juni, 18.–24. Juli, 15.–21. August und 12.–18. September). Dabei begegneten wir Menschen, sprachen diese an und lernten sie kennen. Mit Hilfe von Peilsendern wurde unser aktueller Aufenthaltsort auf der Internetseite www.wer-nicht-fragt-wird- nicht-gesehen.de (deaktiviert, da Aktion abgeschlossen) angezeigt. Jede unserer Bewegungen war somit öffentlich, unsere Spur durch das Viertel konnte von Jedem verfolgt werden und Jeder konnte uns aufsuchen. Wir wurden mitgenommen und gefunden und wurden im Viertel aktiv wahrgenommen. Je nach Situation haben Gespräche, spontane Aktionen oder performative Interventionen stattgefunden die unterschiedlich lang dauerten – von wenigen Minuten bis zu Tagen. Während dieser Performance, die uns dazu bewegte uns auf fremde Menschen einzulassen, die uns in ihr Leben liessen, fiel uns auf wie unerwartet Intimität entstehen kann, wenn man für eine gewisse Zeit nur existiert um für Jemanden da zu sein. Wir wurden zum Geburtstag eingeladen, kauften im Namen des Sohnes Geschenke für die Mutter, waren dabei, als sich Jemand durch uns motiviert dazu traute, seine Freundin zu verlassen und gruben mit einem Rentnerpaar ihren Garten um, tauschten geschenktes Sexspielzeug eines ORION-Ladens auf dem Rewe-Parkplatz gegen Geheimnisse, schliefen im Schaufenster eines Ladens und wurden zu momenthaft wichtigsten Bezugspersonen. Es folgten unzählige Momente mit Menschen, die wussten, dass sie unsere Gesellschaft, Unterstützung und Zuneigung zu jeder Zeit in Anspruch nehmen konnten. Und das nur, weil wir uns durch die Aktion einen Zeitraum setzten, indem wir nichts anderes taten als das. Wir waren abhängig von einem unbekannten Umfeld, das uns mal Schlafplatz und Wohlwollen bot und mal nicht.

kunst unD currywurst

(zusammen mit FabIan Nehm)

2016

Westpark Dortmund, 2016
Performance am 22. Juli 2016
als Teil der EMSCHERKUNST 2016

ArtistRunSpace von Charlotte Frevel und Fridolin Mestwerdt

Currywurst und Kunst? Das geht! Zwei Ruhrpottler räumen auf! Die Eine hat jahrelange Erfahrung am Grill auf Schalke, der Andere macht den ersten Platz beim Kronen Wintergrillen klar!

Wer, wenn nicht sie können die Currywurst in die Kunst bringen!

aI!aI!aI!

(together with Manuel TalarIco)

2011

Wewerka Pavillion, Münster
Aktion vom 6. April bis 8. Mai 2011

Unweit des ALLWETTERZOOS in Münster, direkt am Aasee gelegen, eröffnet für die Dauer von fünf Wochen ein privat betriebenes Zebrareservat. Nach Petra, dem schwarzen Schwan, wird „Gasasoo“ die Attraktion am Aasee bei Jung und Alt im Münsterland.

Die Kinder werden sich die Nasen an den Scheiben plattdrücken, die Eltern sich verwundert am Kopf kratzen. Einige werden es direkt bemerken, für andere bleibt es eine flüchtige Notiz. Wir präsentieren nicht den Wolf im Schafspelz, sondern den Esel im paramilitärischen Camouflage.
Die Nachricht ging 2009 um die Welt: Im Zoo von Gaza malte man zwei weißen Eseln Zebrastreifen auf, da die echten Zebras bei einem Luftangriff umkamen und man neue Tiere nicht einführen konnte. Doch passend zum Ende des Fastenmonats konnte man so den Kindern in der zerstörten Region eine kleine Freude machen. Durch eine einfache Geste rücken wir diesen aus komplexen historischen und politischen Zusammenhängen erwachsenen Kollateralschaden in das Bewußtsein des beschaulichen Münsters. Diese Geschichte ist so skurril, dass sie nur das Leben schreiben konnte. Und weil sie schön, und doch auch doppelbödig ist, möchten wir sie in der Wohlfühlstadt Münster nacherzählen.